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Aachen und die Auswirkungen auf meine Prozessarbeit

 

Die Einladung zur Filmpremiere nach Aachen

Aachen wir kommen !!!!

Als ich mit Andreas im Auto sitze, gut ausgestattet mit Verpflegung für unterwegs, erwacht meine innere Zigeunerin, die den Wind freien Reisens unter ihren Flügeln spürt. Und das in so angenehmer, beruhigender Gesellschaft desjenigen Menschen, dem ich blind vertraue. Was soll da schiefgehen?

Ich, als ehemals begeisterte Autofahrerin, bin in meinem täglichen Alltag zu einem Transport-Produkt verkommen:

Mit dem Rollstuhl über die Rampe in den Behinderten-Transporter von GARD, die sich ständig wiederholende Prozedur der Sicherung des Rollstuhls (mit mir drin), vorne zweimal, hinten zweimal, dann ich, Bauchgurt einmal, Schultergurt einmal, alles fest? Rampe hoch, mitleidige Blicke von der Straße und das oft bis zu vier mal täglich.

Nein, nein, ich bin schon dankbar, dass dies überhaupt möglich ist!!!

Jetzt versteht Ihr die innere Zigeunerin? Dieses „normale“ Gefühl einer Nicht-Behinderten beim Reisen mit dem Auto? Das ist FREIHEIT!

Rechts und links der Autobahn fliegen die Bäume und Büsche mit dem frühlingszarten Grün, Gelb, Weiß, Rosa vorbei – einfach zauberhaft.

Auch alle anderen meiner inneren Mannschaft reisen mit:

Die Opfer, welche stürzen, sich verschlucken,

Schwierigkeiten haben, ins Bett und wieder raus zu kommen, sich im Bett aufzurichten oder sich gar zu drehen, wenn die Schmerzen in einer bestimmten Lage zu stark werden,

die völlig hilflos sind, wenn einer der Hausschuhe zu weit vom Bett weg liegt, weil dann Aufstehen nicht mehr möglich ist, da die bloßen Füße auf dem Fußboden einfach wegrutschen,

die die Dusche nicht nutzen können, wenn rundum keine Haltestangen und ein Hocker vorhanden sind,

die fürchten, von der Toilette nicht mehr aufstehen zu können, weil diese zu tief ist,

oder gar von ihr hinunterzufallen, wenn ich beispielsweise überraschend niesen muss – starker Rückstoß ;-).

………………………..

Erste Eindrücke:

Als wir die Hotelhalle in Aachen betreten, begegnen wir den ersten Rollstuhlfahrern und ihren Angehörigen. Sofort spüre ich die liebevolle Atmosphäre und meine ersten Berührungsängste mildern sich ab.

Anmelden, Zimmer beziehen: Klingt so einfach: Koffer reinschmeißen und Kaffee trinken gehen?

Nicht für mich Schwerbehinderte:

Sind die Türen breit genug, ist das Bett, die Toilette zu hoch oder zu niedrig?

Gibt es Haltegriffe, damit ich aufstehen kann? Und, und, und ………………

Die Überraschung: Das Zimmer ist fast so groß wie meine ganze Wohnung zuhause! Und es ist barrierefrei! Im Bad bringen wir meinen transportablen Haltegriff an.

Die größte Herausforderung ist das Bett: Zuhause habe ich ein Pflegebett, vielfach verstellbar. Hier im Hotel gibt es keinerlei Haltegriffe ums und am Bett. Die Matratze ist gut und Gott sei Dank auch breit – sonst wäre Drehen im Bett gar nicht möglich.

Wie also komme ich nun allein hinein und dann auch wieder allein hinaus? Da ich auch zuhause allein lebe, habe ich den Anspruch, es allein zu schaffen. Stürze nehme ich in Kauf.

Andreas übt mit mir und es geht, nachdem Andreas das Bett (auf Rollen) mit einem Sessel und einer Fußstütze zusätzlich fixiert hat. Im Notfall muss ich ihn anrufen, aber wie? Der Empfang im Handy ist zu schwach und das Festnetztelefon steht für mich auf einem anderen Stern: Luftlinie 5 bis 6 m weg vom Bett auf dem Schreibtisch. Es gibt W-lan, puh, notfalls also eine What’s App.

Der erste Kontakt

Für den Abend ist ein gemeinsames Essen mit den anderen geladenen Gästen, Bruno Schmidt und seiner Familie und dem Filmteam angesetzt, also erstmal noch ein wenig ausruhen.

Im Speiseraum setzen wir uns an einen der großen reservierten Tische – zunächst allein. Die eintreffenden Gäste scheinen sich untereinander alle zu kennen, setzen sich zusammen.

Früher hätte ich mich gemieden gefühlt, nicht wert, dass man sich zu mir setzt. Heute passiert etwas ganz anderes und für mich selbst total überraschend, weil ich so noch niemals gehandelt habe:

Ich sage Andreas, dass ich mich jetzt vorstellen gehe, nehme die Räder meines Aktiv-Rollis in die Hände und rolle los. Ich stelle mich jedem/jeder Einzelnen mit meinem Vornamen vor und werde von allen herzlich begrüßt. Mann fühlt sich das GUT an!!!! und FREI!!!!!!!!!!!!

Auch Bruno, seine Frau und seine entzückende Tochter lerne ich an diesem Abend kennen und bin berührt von der Herzlichkeit, die mir entgegengebracht wird.

Überraschende und starke Gefühle

Ich kann überraschend gut damit umgehen, mit allen diesen Menschen in allen Stadien dieser Krankheit konfrontiert zu sein. Bei solchen Begegnungen in den Arztpraxen hatte ich immer total deprimiert reagiert: „Schau es dir an, da geht es auch für dich hin!“

Hier habe ich plötzlich das starke Gefühl, nach Hause gekommen zu sein. ICH, die ich mein ganzes Leben lang ein innerer Flüchtling war!!! Später im Hotelzimmer haut mich dieses Gefühl emotional total weg. Ich kenne mich mit mir selbst nicht mehr aus!

Am nächsten Morgen habe ich nach dem Frühstück eine Befeldungs-Sitzung mit Andreas, in welcher dieses Thema wieder hochkommt. In den vergangenen zwei Jahren habe ich meine schlimmsten traumatischen Erlebnisse an die Oberfläche holen, noch einmal in aller Konsequenz durchleben und alle diese schwer verletzten Kinder liebevoll in meine Arme schließen können.

Nun bin ich an einem Wendepunkt angekommen, an dem es nicht mehr primär um Vergangenes geht, sondern darum, wie ich meine Zukunft gestalten will und kann. Bisher war ich nur mit ÜBERleben beschäftigt, jetzt sollte ich mein LEBEN aktiv gestalten!!!

Und zum wiederholten Male steht genau das in meinem Lebens-Drehbuch, was ich zur Initiierung der nächsten Schritte brauche, hier:

Die Einladung nach Aachen und die Möglichkeit für die innerlich (auch äußerlich – ich habe viele Jahre lang keinen Hut getragen!) veränderte Dagmar, eine liebevolle, humorvolle „ALS-Gemeinschaft“ zu erleben und mit allen Herausforderungen auf sich wirken zu lassen.

Ich bin der Facebook-Gruppe beigetreten und im Verein: “ALS – der Wunsch zu leben” Mitglied geworden, habe viele weitere Menschen mit ihren Herausforderungen, ihrem Leiden, ihren Sorgen und Nöten und IHRER Art, damit umzugehen, kennen gelernt und habe mich auf vielfältigste Art berühren lassen.

Nun, einen Monat später, hat diese Auseinandersetzung mich in einen fruchtbaren chaotischen inneren Zustand geführt, der mir die Chance eröffnet, mithilfe von Prozessarbeit erneut einen großen Schritt in Richtung meines SOLL-Wertes zu gehen.

UND ich bin heilfroh, dass am Freitag eine Reise ins Chiemgau ansteht, wo ich auf die hoch qualifizierte und bewährte Begleitung von Andreas Jell zurückgreifen kann.

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DagmarKrummland

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