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Flugreise mit zwei Rollstühlen – langweilig ? – Denkste 😡

Der Stein des Anstoßes

Oktober 2015. Eine weitere Reise zur Prozessarbeit im Chiemgau steht an.

Weg an der Traun

Sonnenuntergang am Chiemsee

 

Dieses Mal möchte ich meinen neuen Elektro-Rollstuhl mitnehmen; ich hoffe auf schönes Herbstwetter, welches ich in neuer Unabhängigkeit (E-Rolli) genießen möchte. Bisher war ich immer auf Hilfe von Außen angewiesen, wenn ich die Umgebung meiner Ferienwohnung erkunden wollte, und so freute ich mich auf meine neue Bewegungsfreiheit.

Auch in der Ferienwohnung selbst bin ich auf einen Rollstuhl angewiesen, also muss auch der Aktiv-Rolli mit.

 

Wo sollte da das Problem sein, denken Sie?

Da ich schon diverse Male mit dem Aktiv-Rolli geflogen bin, dachte ich ebenso!

Die Fluggesellschaften sind ja verpflichtet, Behinderte mit den entsprechenden Geräten zu befördern.

Dass schon ein einfacher 10er-Schraubenschlüssel meine Reiseträume zum Platzen bringen könnte, hätte ich mir nicht einmal im schlimmsten Traum vorstellen können und auch nicht, dass alle Nicht-Behinderten um mich herum, sich hilfloser zeigen könnten, als ich mich selbst – abwechselnd in zwei Rollstühlen. ♿️♿️

Ja, auch die Zeit spielt eine Rolle! Flugzeuge warten nicht! Oder ?

Möchten Sie auf den Ausgang dieser Reiseplanung wetten? ?  ??  ✋?  ?  ??  ?

Die Planung der Flugreise

Die Planung der Reise an sich ist schon eine Herausforderung für sich:

Am Flughafen benötige ich einen Begleitservice bis zu meinem Sitzplatz. Ich bin ein „Charly“ habe ich inzwischen gelernt, das bedeutet, dass ich einen Rollstuhltransfer bis zum Sitz benötige.

Dieser Service muss telefonisch angemeldet werden und praktisch ist es, dann gleich den ganzen Flug telefonisch zu buchen. Die Rollstühle müssen als Sondergepäck angemeldet und dazu genaue Maße und Gewichte, Art der Batterie usw. angegeben werden.

Es ist meine erste Reise mit dem E-Rolli, und so rufe ich das Sanitätshaus an, um zu erfahren, ob und was ich bei einer Flugreise mit dem E-Rolli beachten muss. „Sie brauchen nur hinzufahren, sonst nichts“, bekomme ich als Antwort.

Ich bin beruhigt UND dennoch: Der Mensch denkt und wer lenkt?   ❓❓❓❓❓‼️

Wegen meiner verwaschenen (bulbären) Sprache und der Erfahrung, dass ich deswegen häufig aus dem Callcenter einfach rausfliege, weil ich offensichtlich die Geduld der Mitarbeiter dort strapaziere, bitte ich meinen Sohn, dieses Telefonat für mich zu führen. Über die deutsche Telefonnummer der Fluggesellschaft ist es unmöglich, Kontakt aufzunehmen, wir erreichen nicht einmal die Warteschleife 😢.

Da mein Flug nach Salzburg gehen soll, versuchen wir es über die österreichische Nummer – auch dies letztlich ohne Erfolg. Dann entdecken wir, dass es noch eine Sondernummer für Bonuskarten-Inhaber gibt und – welch ein Glück – ich besitze eine Bonuskarte dieser Fluggesellschaft. Lange Rede, kurzer Sinn schließlich kann ich meinem völlig genervten Sohn danken für die erfolgreiche Buchung.

Nun kommt der Transfer zum bzw. vom jeweiligen Flughafen. „Normale“ Menschen steigen einfach in die U-Bahn, ein Taxi, das eigene Auto, ich bin jedoch kein „normaler“ Mensch und der Transfer eines elektrischen Rollstuhls mit ca. 180 kg Gewicht ist schon eine besondere Aufgabe, dann bin ich da noch im zweiten Rollstuhl, 1 Koffer und 1 Rucksack.

Für den Transfer in Hamburg organisiere ich einen BTW (Behinderten-Transport-Wagen) ? von G.A.R.D, eine Firma, die mich auch sonst zu meinen Therapien und Ärzten transportiert.

Das Abenteuer kann beginnen

Der BTW kommt zur verabredeten Zeit. Es ist Rushhour in Hamburg und so wählt der Fahrer einen vermeintlich günstigeren Schleichweg zum Flughafen, der uns im Gegenteil jedoch schon recht spät am Flughafen ankommen lässt – Stress vorprogrammiert!

Vor der Abflughalle ist kurzes Halten zum Entladen gestattet und nach 5 Minuten wird gnadenlos abgeschleppt – das gilt auch für Kranken- und Behindertentransporte, lerne ich.

(Ein solches Verfahren wünschte ich mir auch für Falschparker auf Behinderten-Parkplätzen!!!, die selbst bestens zu Fuß, sich nicht vorstellen können oder wollen, wie es ist, wenn man keinen Schritt gehen kann.)

Wie soll das jetzt gehen? Der Fahrer parkt, lädt mich aus und bringt mich zum Drop-of-Schalter mit meiner Gepäckmasse, immer das drohende Abschleppen im Nacken.

Einchecken am Flughafen Hamburg

Nun geht’s los:

„Was, der E-Rollstuhl soll mit?“ „Der ist nicht angemeldet, den hätten sie anmelden müssen!“

Doch, ist er, ich kann ein entsprechendes Schriftstück vorweisen.

„Dann muss die Batterie entfernt werden und die müssen Sie mit ins Handgepäck nehmen“, ist die nächste Hiobsbotschaft.

Eine weise Voraussicht hat mich die Bedienungsanleitung des Rollstuhls einstecken lassen und: Die Batterien können aus diesem Rollstuhl nicht entfernt werden! Und nun?

„Dann muss auf jeden Fall die Batterie vom Motor getrennt werden, sonst können wir den Rollstuhl nicht befördern.“

Kein Mensch dort weiß, wie man das macht, und als mein inzwischen schon hoch genervter Begleiter es herausgefunden hat, wird festgestellt, dass niemand das dazu benötigte Werkzeug hat bzw. besorgen kann (einen einfachen 10er-Schlüssel!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! ).

Den Stress meiner genervten Umgebung bekomme ich ab:

„Warum musste ich heute morgen die Arschkarte ziehen und ausgerechnet Sie fahren?“,

schleudert mir der Krankenbegleiter entgegen. Ich bin versucht, ihn zu fragen, ob er mit mir tauschen wolle.

In diesem Moment weiß ich nicht, was mir die Kraft gegeben hat, relativ cool zu bleiben, obwohl das Flugzeug schon geboardet wird und ich eine Ahnung davon bekomme, dass ich wahrscheinlich an diesem Tag nicht in Salzburg landen werde. Den Gedanken: „Was dann?“, verkneife ich mir.

Ich greife zum Handy und rufe einigermaßen sauer den Techniker des Sanitätshauses an und schildere meine verfahrene Situation. Er ist glücklicherweise in der Nähe des Flughafens und sagt zu, für maximal 5 Minuten vorbeizukommen.

Der Rollstuhl müsse aber draußen vor der Abflughalle sein. Ich bin jedoch schon in den Aktiv-Rollstuhl umgesetzt worden, und niemand will den E-R. nach draußen fahren. Also bleiben wir drinnen. Der Techniker kommt und rennt alle paar Minuten nach draußen, da auch ihm das Abschleppen seines Fahrzeugs droht.

Inzwischen ist das Boarding fast beendet und er animiert meine Service-Begleiter im Flughafen, mich doch mit meinem Handgepäck schon mal durch den Zoll und zum Flugzeug zu bringen. Auch hier gibt es zu allem Überfluss noch Schwierigkeiten mit meinem Gepäck, schließlich sitze ich – als letzter Passagier – auf meinem Platz im Flugzeug, das inzwischen ca. 20 Minuten Verspätung hat und habe keine Ahnung, was mit meinem E-Rolli passiert.

Auch nach einer halben Stunde ist von Startvorbereitungen noch nichts zu erkennen. Der Pilot informiert seine Fluggäste schließlich, dass sie noch auf die Verladung eines Gepäckstücks warten müssten. Wieso macht es an einem so großen Flughafen wie demjenigen in Hamburg so viele Probleme, einen elektrischen Rollstuhl zu verladen? Ich kann doch unmöglich die Erste sein, die mit solch einem Gerät fliegt?

Ich selbst bin inzwischen völlig erschöpft und diejenigen, die selbst von einer Nervenkrankheit betroffen sind, werden nachempfinden können, dass mein Körper aufgrund der Aufregung mit heftigster Spastik reagiert; ich kann kaum noch irgendetwas bewegen und die total verkrampften Muskeln schmerzen furchtbar.

Mit fast 1 Stunde Verspätung kann das Flugzeug schließlich starten. Eine der Stewardessen tröstet mich mit meinem schlechten Gewissen den anderen Fluggästen gegenüber

„Dafür können Sie doch nicht, wenn die am Flughafen in Hamburg nicht in der Lage sind, einen elektrischen Rollstuhl zu verladen.“

Der Stuart kommt zu mir und fragt, ob ich in Salzburg zuhause sei. Haben die jetzt schon Stress, mit mir zurückfliegen zu müssen?

Flughafen Salzburg

Am (kleinen) Flughafen in Salzburg werde ich dadurch entschädigt, dass das Alles dort überhaupt kein Problem darstellt. Gleichzeitig mit meinem Koffer kommt mein E-Rolli, locker geschoben von einem RK-Mitarbeiter, während mich ein zweiter betreut. Die beiden jungen Männer helfen dann auch noch Hans – dem Vermieter meiner Ferienwohnung in Siegsdorf – den E-Rolli über eine Rampe im mitgebrachten Hänger zu verladen. DANKE!!!

Beim Rückflug ergibt sich eine ganz ähnliche Situation: In Salzburg verläuft alles problemlos: Hans liefert mich mit allen meinen Reisemitteln am Flughafen ab und checkt ohne Probleme auch den E-Rollstuhl ein. Für ihn ist es völlig unverständlich, dass es beim Verladen in Hamburg solche technischen Probleme gab, schaute er doch nur einmal hin und wusste sofort, was zu tun war.

Ankunft am Flughafen Hamburg – auf dem Rückweg

In Hamburg gibt es wieder Probleme, den E-Rolli zum Fahren zu bringen, obwohl ich diesmal einen 10er-Schlüssel und Fotos von Hans dabei habe, wo und wie man es machen muss.

Die Mitarbeiter an der Ausgabestelle des Sondergepäcks am Flughafen in Hamburg helfen nicht, sondern fordern den am Boden vor dem Rolli liegenden BTW-Fahrer auf, den Rollstuhl zur Seite zu fahren, damit mehr Platz an der Ausgabestelle bleibt. Nur wie? Der Rollstuhl lässt sich nicht fahren.

Der folgende Dialog wäre sicher ein dankbarer Stoff für Loriot gewesen!

Als positiv erlebe ich die Geduld meines BTW-Begleiters, mir gegenüber,

DANKE 🙏🏻

 

 

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DagmarKrummland

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