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Meine rote Kappe – Teil 2

 

Die zweite Sitzung an diesem Tag

In der zweiten Sitzung an diesem Tag sprechen wir darüber, dass ich auf keinen Fall einen Luftröhrenschnitt haben möchte und dass ich lieber ersticke, wenn ich nicht mehr selbstständig atmen kann.

Auch hier gilt es zu schauen, ob ich diese Entscheidung als Opfer oder als Schöpfer treffe:

Habe ich Angst davor, dass die Menschen, die mich betreuen, wenn ich durch ein Tracheostoma beatmet werde, nicht sorgfältig arbeiten, und ich deswegen ständig vom Ersticken – und zwar wiederholt – bedroht bin, dann handele ich als OPFER = Gefühl der Abhängigkeit von Jemandem, der nicht genug Sorgfalt aufbringt. Das will ich nicht erleben!!!

Was will ich in der Situation dann erleben?

Ich möchte auf jeden Fall meine Entscheidungs-Freiheit behalten und ich sterbe lieber, als diese Freiheit abzugeben an einen klinischen Prozess, in welchem das Überleben des Körpers oberste Priorität hat und der Geist nicht mehr zum Ausdruck kommen kann.

Da ich nicht weiß, was hinsichtlich meines Todes in meinem Lebens-Drehbuch steht, kommt es darauf an, ausgerichtet zu bleiben auf das, was ich wirklich will:

FREIHEIT inmitten jeder denkbaren äußeren Bedingung. Dann darf alles passieren, was kommt.

Also wieder einmal: Auf die innere Disposition kommt es an!

Meine Vorgabe ist eine entsprechende Patientenverfügung und dann ein starker Beobachter für die Erfahrungsräume, die ich beschlossen habe zu erleben. UND jemand, der konsequent und durchsetzungsfähig ist, um das, was ich verfügt habe, auch um jeden Preis zu ermöglichen, wenn ich es selbst nicht mehr kann.

Verhalte ich mich hier passiv, abwartend, laufe ich voll in die medizinisch vorgegebene Maschinerie hinein und das Ende ist ein qualvolles Dahinvegetieren meines Körpers im unpersönlichen Ambiente eines Krankenhauses.

Diese Entwicklung braucht einen Ausdruck im Aussen

Nach der Sitzung gehe ich mit Andreas an der Langen Reihe einkaufen. Mein wiedergewonnenes ultimatives Freiheitsgefühl braucht einen Ausdruck im Aussen. Und, was sehe ich da in der Auslage eines Hutgeschäfts ?

Meine ROTE KAPPE !!!

In den Laden führen mehrere Stufen hinab, unmöglich zu überwinden für meinen E-Rolli. Also geht Andreas in das Geschäft, holt die Kappe zum Anprobieren heraus. Sie passt, wie für mich gemacht und ich gebe sie nicht mehr her!!!

Wenn ich drohe, meine Freiheit zu verlieren, d.h. den Opfer-Status zu akzeptieren, erinnert mich meine rote Kappe daran, was ich WIRKLICH will und wer ich WIRKLICH bin.

 

 

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DagmarKrummland

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